Southern Residents - News 2012

Mike (J26) mit Sender ausgestattet

22. Februar 2012

Es ist geschehen: der erste Sender wurde am 20. Februar 2012 an einem der vom Aussterben bedrohten Southern Residents angebracht. Mike (J26) ist einer der sechs (zwei pro Pod) "Auserwählten", die in diesem Jahr einen Sender erhalten, durch den das Leben des Trägers unter Umständen stark gefährdet ist.

Um die Population besser zu schützen, werden die Sender eingesetzt, damit mögliche wichtige Wintergebiete oder Informationen über des Nahrungsangebots in diesen Bereichen ermittelt werden können. Doch werden die Sender mit Wurfpfeilen aus 4-12m Entfernung abgeschossen, die sich durch die Haut der Tiere bohren und dort Wunden hinterlassen, welche sich entzünden und im schlimmsten Fall zum Tod führen können. In den meisten Fällen reagieren die Individuen mit einem Zusammenzucken und schnellem Abtauchen. Die fortpflanzungsfähigen Weibchen und die jungen Mitglieder bleiben verschont. Bedeutet das Entwarnung?

Mike (J26) wurde in 1991 geboren, damit ist er 21 Jahre jung und mit Podmitglied Blackberry (J27) gleichzeitig das älteste Männchen in J Pod. Er ist einer von den nur zwei ausgewachsenen Bullen bei den Js. Ebenso sieht es bei K Pod aus: Cappuccino (K21) und Scoter (K25) sind die einzigen Vertreter. Die Ls bieten mehr, doch die Auswahl bleibt bescheiden. Der Tod eines dieser Herren (besonders Mega (L41), der bereits als Vater identifiziert wurde) wäre für die Community ein großer Verlust.

Wie sieht es mit den nicht mehr fortpflanzungsfähigen Weibchen aus? J Pod hat die 101-jährige Granny (J2), ihre Matriarchin, und Spieden (J8). K Pods einziges Weibchen, welches das fortpflanzungsfähige Alter überschritten hat, wäre Raggedy (K40), die nie mit einem eigenen Baby gesichtet wurde. L Pod hat sieben Weibchen, von denen mindestens vier beim Babysitting beobachtet wurden. Demnach sind sie entweder Matriarchinnen, die ihr Wissen weitergeben oder Babysitter, die Mütter entlasten. Sie tragen demnach weiterhin wichtige Rollen, auch wenn sie keine Nachkommen mehr hervorbringen.

In Anbetracht der Umstände, dass wenige Details über ihre Reiserouten im Winter vorliegen, sind diese Sender eine Möglichkeit viele Informationen zu sammeln. Die Erfolgsqoten sind gut und das Risiko ist minimal, aber es ist da. Bis April werden weitere Sender angebracht. Hier können Mikes Bewegungen nachvollzogen werden. Im Forum und auf der SWG-Facebookpage werden regelmäßig Updates erscheinen.


Victoria/Sooke (L112) tot angespült

14. Februar 2012

Eine traurige Nachricht hat sich über Nacht verbreitet: ein junges Orcaweibchen wurde am Samstag, den 11. Februar 2012 tot am Long Beach angespült. Es ist Victoria/Sooke (L112) aus der L4 Matriline von den Southern Residents.

Mittlerweile liegt die Bestätigung vor, doch zunächst handelte es sich um ein 3,75m langes Weibchen zwischen drei und sechs Jahren. Auf Grund der vorangeschrittenen Verwesung war sie bereits einige Zeit tot, bevor sie angeschwemmt wurde. Während der Autopsie wurden viele Blutungen entdeckt, die auf schwere Verletzungen hindeuten. Die exakte Todesursache ist noch nicht geklärt. Weitere Tests werden mittels DNA-Proben durchgeführt.

Victoria/Sooke wurde am 21. Januar 2009 erstmals in Depoe Bay gesichtet. Sie war das zweite Baby und die erste Tochter von Surprise (L86). Ihr großer Bruder, Pooka (L106), war ihr Spielkamerad. Sie lebte in einer großen Familie und ihre Mom bewies wieder ihr gutes Geschick in der Aufzucht, als sie Victoria/Sooke durch ihre zwei schwierigsten Lebensjahre brachte. Nun die traurige Neuigkeit über ihren Tod und den Verlust eines jungen Weibchens aus der vom Aussterben bedrohten Community... RIP, Sooke!


Zum Abschuss frei

22. Januar 2012

Forscher von NOAA (National Ocean and Atmospheric Administration) erhalten die Genehmigung sechs von den vom Aussterben bedrohten Southern Residents mit Sendern auszustatten, die mit einer Armbrust oder einer pneumatischen Schusswaffe abgefeuert werden. Es bleiben Golfball-große Löcher zurück, die sich im schlimmsten Fall entzünden und zum Tode führen können.

Es ist ironisch. Die Southern Resident Community ist eine der am besten erforschten Orcapopulationen weltweit und gleichzeitig ist sie vom Aussterben bedroht. Gefangennahmen für Delfinarien haben die Gemeinschaft in der Vegangenheit stark minimiert und Nahrungsknappheit, Wasserverschmutzung sowie steigender Lärm sind die heutigen Bedrohungen, die sie jeden Tag aufs Neue bekämpfen. Zur Zeit gehören 89 Mitglieder zu den Southern Residents, wobei das jüngste Mitglied J48 (geboren am 17. Dezember 2011) bereits mehrmals nicht mit seiner Mutter gesichtet wurde. Ein schlechtes Zeichen.

Wen wundert es, dass viele Menschen weitere Gefahren für die Tiere vermeiden wollen. Einer ist Ken Balcomb, Direktor vom Center for Whale Research, welcher die SRs schon Jahrzehnte studiert und Bedenken gegenüber des Projekts äußert. Ziel ist es durch die Sender weitere/neue Informationen zu erlangen, z.B. wohin die Orcas im Winter ziehen, und ihnen folgen zu können, um Proben zu sammeln. Damit soll nach Möglichkeit der Grund für das vermehrte Verschwinden von Mitgliedern über die Wintermonate entschlüsselt und Schutzmaßnahmen eingeleitet werden. Da stellt sich die Frage, ob diese neuen Daten es wert sind, mehrere Leben der Population zu riskieren. Zwar wurden bereits 250 Wale von 15 verschiedenen Arten mit Sendern ausgestattet ohne negative Auswirkungen auf das Überleben zu haben, aber die Umgebung, in der die Southern Residents leben, ist voll von Giftstoffen und anderen Problemen, die das Immun- und Fortpflanzungssystem der Tiere beeinträchtigen.

Bereits nächsten Monat könnte der erste Sender eingesetzt werden. Zwischen drei und neun Wochen ist eine Datenspeicherung und -übertragung möglich bevor er abfällt. Für eine längere Nutzung werden die Sender zeitweilig abgeschaltet.