Springer (A73)
Springer ist ein Mitglied der Northern Resident Community. Als 2-Jährige wurde sie alleine in Puget Sound (Gebiet der Southern Residents zwischen Oktober und Januar) aufgefunden. Sie wurde für eine kurze Zeit in Gefangenschaft gehalten und im Juli 2002 frei gelassen.
Heute ist sie ein vollwertiges Mitglied ihrer Community und reist mit den A11s oder A24s umher.
Wie alles begann...
Sutlej (A45) aus der A24 Matriline war Springers Mom. Sie war 17 Jahre alt, als sie ihre kleine Tochter in 2000 zur Welt brachte. Bereits 1997 wurde sie mit ihrem ersten Nachkommen gesichtet, der traurigerweise im selben Jahr verstarb.
Das Mutterglück hielt leider nicht lange, denn Sutlej verschwand in 2001 und auch Springer galt als tot, weil sie noch jung und sehr von ihrer Mutter abhängig war. Plötzlich nahm die Geschichte mit der Identifizierung eines Schwertwalkalbs in Puget Sound eine ganz andere Wendung: sie ist nicht gestorben, sondern hatte sich verirrt!
Die erste Sichtung von ihr fernab von zu Hause erfolgte im Januar 2002, im Folgemonat wurde ihre Identität anhand ihrer Calls aufgeklärt. Am 13. Juni 2002 entschied man sie kurzzeitig einzufangen. Ihr Zustand schien sich zu verschlechtern, sodass sie medizinische Versorgung benötigte. Eine abgesperrte Bucht nahe Seattle diente vorerst als Behausung. Dort bekam sie lebenden Lachs als Nahrung und der menschliche Kontakt war stark minimiert.
Bereits am 12. Juli 2002 kehrte sie in ihre Heimatgewässer zurück, transportiert wurde sie in einer mit Wasser gefüllten Kiste an Board eines Schiffes. Nach elf Stunden erreichte sie die Bucht bei Hanson Island, die an Blackfish Sound angrenzt, wo die Northern Residents ständig umherziehen. Springer war wieder zu Hause und die A11s/A24s waren bereits aus dem Winter zurück... Es wurde ernst!
Die Freilassung
Der erste Eindruck war ihrerseits sehr positiv. Sie war fit und energetisch, jagte den Lachs und begann nach wenigen Minuten Calls zu produzieren. Auch der erste Kontakt mit ihrer Community war sehr rührend: Springer war sehr aufgeregt, sprang aus dem Wasser wieder und wieder, drückte ihren Kopf gegen das Netz und kommunizierte lautstark mit ihren Verwandten und Freunden, welche ebenso aufgeregt waren wie sie. Nach einiger Zeit zogen sie aber weiter.
Am Morgen kehrten die Schwertwale in aller Stille zurück, ruhten sich erst in der Nähe der Bucht aus und zogen schließlich mit der Flut zurück in Blackfish Sound. 200m vor dem Netz von Springers Bucht stoppten sie. Der Moment war gekommen: das kleine Mädchen erhielt drei Sender, die ihre Position ermitteln sollten und die Bucht wurde geöffnet! Sofort schwamm sie auf ihre Artgenossen zu, zögerte jedoch anschließend. Am Ende des ersten Treffens zogen sie in entgegen gesetzte Richtungen.
Ganz nach dem Motto "Aller Anfang ist schwer" verlief auch der 14. Juli 2002. Zwar folgte sie ihrer Gemeinschaft zeitweilig, blieb nur nicht bei ihnen.
Tagsdarauf näherte sie sich einem Boot, was sich später noch als großes Problem herausstellen würde. Dieses Mal verließ sie es glücklicherweise. Nachdem sie und die anderen NRs immer wieder aufeinander zu geschwommen und voneinander weggegangen sind, war sie endlich inmitten der Gruppe und gesellte sich zu dem jungen Männchen Echo (A55). Zusammen gönnten sie sich eine ordentliche Massage an den Rubbelstränden. Die Nacht verbrachte sie nahe der Gruppe u.a. bestehend aus A12s und A11s.
Bei Sonnenaufgang am 16. Juli 2002 war sie mit den A12s und G3s, diese zogen Richtung Osten und ließen sie zurück. Daraufhin suchte Springer vermehrt Boote auf, eines musste abgeschleppt werden. Um sie nicht zu gefährend, gab man die Anweisung sich ihr nicht zu nähern bzw. wegzufahren, wenn sie sich nähern sollte. Der Tag endete für sie allein in Blackfish Sound.
Ihr Verhalten folgte einem einfachen Muster: waren Orcas im Gebiet, gab sie ihnen den Vorzug und gesellte sich zu ihnen. Wenn nicht, näherte sie sich den Schiffen. Am vierten Tag nach ihrer Freilassung traf sie auf die großen Jungs der A36s, was sie von den Booten und Menschen ablenkte. Eine wirklich rührende Szene die kleine Springer zwischen den drei ausgewachsenen Bullen zu sehen! Einer schwamm schützend vor ihr und die anderen beiden hinter ihr. Im Laufe des Tages trafen weitere Familie in der Johnstone Strait ein, neben Rs und Ws auch die A25s und Springer war mittendrin in dem Getummel.
Am nächsten Tag war sie mit drei anderen Waisen zusammen: Nodales (A51), Surge (A61) und Fife (A60). Mit ihnen verließ sie auch das Johnstone Strait Gebiete, befand sich zur Freude aller am 23. Juli 2002 bei ihrer Rückkehr noch in deren Gesellschaft. Es wurde an dem Tag auch beobachtet wie Nodales Springer hinterher eilte, um sie davon abzuhalten sich einem Boot zu nähern. Sie begleitete sie zurück zu Surge. Eindeutig handelte Nodales wie eine Mom, die ihrem Kind lehrt sich nicht fremden, gefährlichen Booten zu nähern.
Durch die enge Verbindung zu Nodales, kam sie in Kontakt mit den Geschwistern ihrer Mutter, also ihrer Tante Schooner (A64) und ihrem Onkel Margin (A71). Auch ihrer Großmutter Kelsey (A24) begegnete sie dabei, wurde aber vorerst nicht Seite an Seite mit ihr entdeckt.
Am 17. August 2002 war sie mit den A11s unterwegs, als sie die Johnstone Strait betrat. Auch Wochen später wurde sie mit Yakat (A11) und ihrer Tochter Nahwitti (A56) angetroffen. Nimpkish' (A13) Anwesenheit schien sie zu meiden, als er auftauchte, suchte sie wieder Nodales und Surges Nähe, wobei die A11s nie sehr weit entfernt waren. Ihr Eintreffen wurde mit reichlich Calls gefeiert.
Fast ein Jahr nach ihrer Freilassung am 09. Juli 2003 traf sie in der Johnstone Strait ein, zusammen mit rund 30 anderen Orcas. Über die Wintermonate war sie wahrscheinlich in Gesellschaft von den A11s. Seitdem wurde sie jedes Jahr gesichtet, meistens mit Yakat. Doch seit 2009 wird sie immer häufiger auch mit den A24s angetroffen. Ihre Íntegration zurück in ihre Community war ein voller Erfolg! Sie wächst, spielt mit anderen Jugendlichen und neuerdings scheint sie großes Interesse für Neugeborene zu entwickeln. Wir dürfen gespannt sein, wann sie mit ihrem ersten Baby erscheint und ob bzw. welche Auswirkungen ihre Vergangenheit auf die Aufzucht und Erziehung ihrer eigenen Nachkommen haben wird.
>> für Springer eine Patenschaft übernehmen & gleichzeitig Orcalab unterstützen


