Morgan

Ein junger, weiblicher Schwertwal, der in der Wildnis geboren wurde und ein Leben in Gefangenschaft führen muss, obwohl ihre Familie identifiziert werden konnte.

Orcazeichnung "Morgan" von Doris Thomas

Freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Doris Thomas

Im Wattenmeer unterernährt gefunden

Am 23. Juni 2010 wurde in holländischen Gewässern ein junger Orca gesichtet. Ein seltenes Ereignis, denn in diesem Gebiet sind Schwertwale nicht vertreten. Wie sich zeigte war das kleine Weibchen unterernährt und allein. Noch am gleichen Tag wurde sie von Mitarbeitern des Delfinariums Harderwijk eingefangen, wo sie bis zum 29. November 2011 verweilte. Nun ist der Loro Parque auf Teneriffa ihre neue Behausung.

Bereits zwei Tage nach ihrer Gefangennahme bekam sie den schottischen Namen Morgan, weil man vermutete sie würde aus den nördlichen Gewässern Schottlands stammen. Vergleiche ihrer Calls mit denen anderer Schwertwalpopulationen zeigten jedoch ihre norwegische Abstammung von den dort ansässigen Fischfressern (Residents). Ihre Calls stimmen mit denen von der P Gruppe zu 77,7% und zu 33,3% mit denen von der NP Gruppe überein. Das bedeutet sie stammt sehr wahrscheinlich von diesen Gruppen ab.

Bei ihrer Gefangennahme war sie 3,5m lang und demnach etwa 2-3 Jahre alt. Sie wog nur 400kg. Andere Orcas in ihrem Alter wiegen zwischen 800-1000kg. Mittlerweile hat sie viel an Masse zugenommen und ist wieder bei Kräften! Ihr Gewicht beträgt nun 1.400kg (November 2011).

Eingewöhnung in einem Pool

Anfangs waren Trainer mit ihr im Wasser, um sie davon abzuhalten gegen die Mauern zu schwimmen. Sie stand unter ständiger Beobachtung.

Es muss eigenartig für sie gewesen sein von dem Ozean mit seinen vielen Pflanzen und Geräuschen in ein kahles, lautloses Becken zu kommen. Das ist eine große Veränderung.

Genauso wie sie plötzlich ohne Familie war. Der Grund, wie es zu der Trennung zwischen Mutter und Baby kam, ist nicht bekannt. Möglicherweise war es ein Sturm oder ihre Mom ist gestorben und sie ist bei ihr geblieben. Unter diesem Aspekt war sie wohl froh Gesellschaft in Form von Menschen zu haben. Schwertwale sind sehr sozial. Luna (L98) und Springer (A73) waren beiden von ihren Familien getrennt und suchten deswegen den Kontakt zu anderen Tieren oder Menschen.

Keiner kann sagen, ob Morgan glücklich ist oder nicht. Vielleicht können wir es an ihrem Verhalten deuten. Wir können richtig liegen oder eben falsch. Aber sie wurde im Ozean geboren und dort gehört sie hin. Ihre Familie wurde gefunden und so ist es möglich sie erfolgreich auszuwildern. Springer hat es geschafft und ist heute ein vollwertiges Mitglied der Northern Residents. Morgan sollte nicht in Gefangenschaft bleiben, damit SeaWorld & Co. ihren Genpool aufbessern können. Mit neun Jahren würde sie wahrscheinlich durch künstliche Befruchtung ein Baby zur Welt bringen. Mit 20 Jahren wäre sie vierfache Mutter, wenn sie überlebt. Mit 30 Jahren wäre sie wahrscheinlich tot... Wenn sie in Gefangenschaft bleibt!

Eine faire Chance auf Freiheit - das hat sie verdient! Aber trotz Gerichtsanhörungen hat sie nicht die Chance erhalten zu ihrer Familie zurückzukehren. Dabei hätte man sie mit einem Sender ausstatten und Schritt für Schritt nach dem Freilassungsplan auswildern können. Hätte sie keinen Anschluss bei den norwegischen Orcas gefunden, hätte sie anschließend zum Loro Parque transportiert werden können, doch die Meinungen von zahlreichen, anerkannten Forschern und Unterstützern waren nicht genug. Selbst vier der sieben Experten, die im Dezember 2010 zu dem Entschluss kamen, dass sie nicht freigelassen werden kann, haben ihre Meinung geändert, als ihre Familie gefunden war. Nun hat Loro Parque und damit SeaWorld einen Schwertwal mehr in ihrer "Sammlung": ein junges Weibchen, das leicht zu trainieren ist und einzigartige Gene hat (kein anderer in Gefangenschaft lebender Orca ist norwegischer Abstammung) - besser hätten sie es nicht treffen können. Sie mussten keinen Cent für sie bezahlen und ihr Inzuchtproblem löst sich ganz von selbst.