Lolita (Tokitae)
41 Jahre in Gefangenschaft... Genauer ausgedrückt: 14.965 Tage von der Familie getrennt, 359.160 Stunden aus dem natürlichen Lebensraum verbannt, 21.549.600 Minuten als Gefangene verbracht, 1.292.976.000 Sekunden in einem 24m langen Pool gelebt. Wie viele Runden hat sie wohl in all der Zeit gedreht?
Schicksalstag
Am 08. August 1970 hat diese Tragödie begonnen. An diesem besagten Tag wurde L Pod gefangen. Für Lolita und zehn andere Orcas besiegelte sich ihr Schicksal.
Mit Bomben wurden die Schwertwale in Panik versetzt und nach Penn Cove getrieben. Die Ausgewachsenen versuchten aussichtslos die Kleinen zu beschützen, doch sie führten einen von Beginn an verlorenen Kampf. Netze wurden eingesetzt, denn solange auch nur einer gefangen war, blieben die anderen. Der Nachwuchs, der einfacher zu zähmen und zu trainieren war, wurde der Familie entrissen. Schreie erfüllten die Luft, Mütter und Kälber, die einander in panischer Angst riefen. Ein Weibchen ertrank. Das letzte, was sie sah, war wie man ihr Junges wegnahm. Dann schloß sie ihr Blasloch und sank in die Tiefe.
Weitere vier Babys starben bei dem Versuch zu ihrer Mutter zu gelangen. Sie waren noch so jung, hatten ihr ganzes Leben noch vor sich, doch man gab ihnen nicht die Chance groß zu werden. Stattdessen schlitze man sie auf, füllte ihre leblose Hülle mit Steinen und ließ sie auf den Meeresgrund verschwinden. Die sieben (überlebenden) Auserwählten wurden abtransportiert, an Delfinarien verkauft. Zwei gingen nach Japan und jeweils eins nach Texas, Australien, Groß Britannien, Frankreich und Miami.
Miami Seaprison
Lolita, auch als Tokitea bekannt, war nun seit dem 14. September 1970 Miamis neue Attraktion. Das kleine Mädchen, das eben noch an Mamas Seite geschwommen ist, ihre Jagdtechnik geübt und ausgelassen im großen, weiten Meer mit ihren Podkameraden herumgetollt hat, fand sich jetzt ohne die vertrauten Familienmitglieder in einem kleinen Pool wieder, den sie sich nur mit dem Männchen Hugo teilte. Dieser war zwei Jahre zuvor ebenfalls der Geldgier einiger Menschen zum Opfer gefallen.
Einem alten Zeitungsbericht zufolge war Lolita mehrere Male von Hugo schwanger. Jedoch wurde nie ein lebendes Baby geboren.
Leider, hatte er nicht die Willensstärke wie seine Kompanin. Er starb in 1980, nachdem er mehrfach seinen Kopf gegen die Mauer rammte - Selbstmord. Somit ließ er seine einzige Freundin zurück, die seither völlig allein ist. Nur einige kleinere Delfine hausen noch in ihrem winzigen Becken.
Dieses ist laut den Regelungen für die Beckengröße von Orcas zu klein. Es muss einen Durchmesser von 14,6 m haben, sowohl horizontal als auch vertikal. Auf Grund der Plattform ("Arbeitsinsel") ist das in einer Richtung nicht gegeben, dort sind es nur 10,6 m, die sie durchgängig (bei ihrer Länge von 6 m sind das wohl zwei Schläge mit der Schwanzflosse) schwimmen kann.
Trotz dieses Verstoßes hat das Miami Seaquarium, das bereits wegen groben Sicherheitsmängeln schließen und renovieren musste, weiterhin geöffnet und wird nicht dazu verordnet einen größeren Pool zu bauen.
Für Lolita läuft eine Kampagne, um sie aus ihrer Misslage zu befreien und zu ihrer Familie zurückzubringen. Ihre Mutter Ocean Sun (L25) lebt nämlich noch, sie ist stolze 83 Jahre alt! Der Plan sieht vor sie in einer abgesperrten Bucht, wo sie ihre Matriline hören und sehen kann, zu bringen und sie dort auf ihre Auswilderung vorzubereiten. Notfalls - sollte die Wiedervereinigung missglücken - kann sie dort unter menschlicher Obhut ihre letzten Lebensabende verbringen. Dies ist eine wesentlich bessere Alternative als ihr schäbiges Becken im Miami Seaquarium!
Hier gibt es weitere Informationen und Möglichkeiten um zu helfen! Bereits Prominente wie Johnny Depp, 50 Cent oder Harrison Ford unterstützen diese Protestaktion.


