Lebensweise [Seite 2 von 2]

In Gefangenschaft sind Orcas ernormen Stress ausgesetzt, der sich in Form von Aggressionen unter den Schwertwalen als auch gegenüber Trainern und durch ihr frühes Ableben zeigt. Dabei sei deutlich darauf hingewiesen, dass Angriffe von Schwertwalen auf Menschen ausschließlich in Gefangenschaft auftreten. Leider endeten einige Attacken tödlich.

Schon auf der ersten Seite wurde verdeutlicht, welche Folgen die Haltung von Orcas unterschiedlicher Herkunft hat. Nachfolgend werden weitere Aspekte behandelt, die einen negativen Einfluss auf die Tiere haben.

Antibiotika, Sonnenbrand und Bewegungsmangel

Um weitere Tode und somit negative Schlagzeilen zu verhindern - einem kranken Schwertwal sieht man seine Krankheit meistens erst an, wenn es zu spät ist - wird den Tieren vorsorglich bzw. bei den kleinsten Abweichungen in den Blutwerten Antibiotika und andere Medikamente mit der morgendlichen Fütterung verabreicht. Für einige ist dies ein Dauerzustand. Solche langen Einnahmen bringen aber Störungen der Darmflora, Untergewicht und höhere Anfälligkeit für Krankheitserreger wie Plize mit sich.

Trotz Shows und Trainingsessions haben die Orcas viel Freizeit, in der sie meistens nur ihre Runden schwimmen oder gar einfach an der Wasseroberfläche treiben. Dieser Mangel an Bewegung lässt die Finnen der Bullen vollständig zur Seite fallen und trat bei allen Männchen in Delfinarien auf. Zum Vergleich: in der Wildnis wird das Ereignis nur sehr selten beobachtet (unter 1%).

Das häufige Ruhen an der Oberfläche bedeutet auch erhöhten Kontakt mit der Sonne. Ob sich daraus schwerwiegende gesundheitliche Schäden für die Tiere ergibt, kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht mit Sicherheit gesagt werden. Fakt ist jedoch, dass bereits einige Orcas in Delfinarien einen Sonnenbrand hatten und ihre Becken keinen natürlichen Schutz vor den Sonnenstrahlen aufweisen. In Freiheit tauchen sie tiefer, wohin die UV-Strahlen nicht mehr bzw. nur sehr abgeschwächt vordringen.

Transfers: Trennung von Müttern und ihren Nachkommen

Immer wieder werden Orcafamilien in Gefangenschaft auseinander gerissen. Das hat verschiedene Gründe. Entweder sind zu viele Tiere an einem Ort und es herrscht Platzmangel oder das Weibchen soll erneut trächtig werden. Allerdings wird sie das nicht, wenn sie sich weiterhin intensiv um ihr Jüngstes kümmert.

Erstens sind Schwertwale sehr sozial. Sie leben ihr ganzes Leben lang in der Gruppe ihrer Mutter. Einige Transients wandern durchaus mit anderen Gruppen umher, doch der Großteil bleibt bei der Familie. Die Trennung von Mutter und Nachwuchs ist unglaublich grausam, denn sie haben starke Bände, die sie normalerweise bis zum Ende ihres Daseins miteinander verbinden. Plötzlich von einem Moment auf den anderen schwimmen sie allein, nicht mehr Seite an Seite... Das ist ein großer Verlust, den sie bewältigen müssen. Zusätzlich gerät die Hierarchie völlig durcheinander und alle Beteiligten müssen sich neu zurechtfinden. Der einzige akzeptable Grund für eine solche Separierung ist zum Schutz des Neugeborenen, wenn es von seiner Mutter verstoßen wird.

Zweitens kann eine "Produktion wie am Fließband" bei den Weibchen erhebliche Schäden hervorrufen. Eine Schwangerschaft birgt immer ein Risiko! Schlimmstenfalls gibt es Komplikationen bei der Geburt, die Mutter und Baby das Leben kosten wie bei Taima, die im Alter von 20 Jahren bereits vierfache Mutter werden sollte (in der Wildnis hätte ein Weibchen wahrscheinlich erst ihren zweiten Nachkommen geboren). Daher sollte nach Möglichkeit darauf geachtet werden, dass das Weibchen sich von der letzten Schwangerschaft ausreichend erholt. Der Körper braucht Zeit zum Regenerieren!

Die Haltng von Orcas in Gefangenschaft ist noch weit davon entfernt artgerecht oder optimal zu sein. Dafür sprechen die vielen Todesfälle und die kurze Lebenserwartung der Tiere. Vielleicht ändert sich das, wenn ihr Immunsystem besser erforscht und ihre Bedürfnisse mehr verstanden werden. Doch bis dahin kann ein Breitbandantibiotikum nicht die Lösung sein!