Lebensweise [Seite 1 von 2]

In Gefangenschaft sind Orcas ernormen Stress ausgesetzt, der sich in Form von Aggressionen unter den Schwertwalen als auch gegenüber Trainern und durch ihr frühes Ableben zeigt. Dabei sei deutlich darauf hingewiesen, dass Angriffe von Schwertwalen auf Menschen ausschließlich in Gefangenschaft auftreten. Leider endeten einige Attacken tödlich.

Spätestens nach dem tragischen Tod von Trainer Dawn Brancheau am 24. Februar 2010 durch den Zuchtbullen Tilikum in SeaWorld Orlando ist die Haltung von Orcas in Betonbecken fragwürdig. Nachfolgend wird die Lebensweise von wilden Orcas mit der ihrer gefangenen Artgenossen verglichen, wobei die kürzlich veröffentlichte Studie über Schwertwale in Gefangenschaft als Grundlage dient.

Frei lebende Orcas

Orcas gelten im Allgemeinen als friedliche, sehr neugierige und verspielte Tiere. Ihre Intelligenz gilt als (fast) ebenbürtig der eines Menschens. Sie erkennen ihr Spiegelbild und haben demnach ein Ich-Bewusstsein.

Einst geboren leben sie in sozialen Familienverbände: die Mutter, ihre Nachkommen (auch die ausgewaschenen Männchen) und die Kälber der Töchter bilden eine solche Familie, die aus drei bis vier Generationen besteht. Eine Mutter gibt ihr gesamtes Wissen an ihren Nachwuchs weiter, es ist ein ständiger Lernprozess für die Babys - das Atmen, das Schwimmen, die Kommunikation, das Jagen, die Wanderrouten, die Aufzucht der Kälber.

Eine besonders große Rolle spielt der Dialekt. Jede Familie hat ihren eigenen. Ihr Erkennungsmerkmal. Je unterschiedlicher der Dialekt des Bullen von dem des Weibchens desto wahrscheinlicher ist er ein potenieller Partner für die Paarung. So vermeiden sie Inzucht!

In ihrem täglichen Leben legen die Orcas auf der Suche nach Nahrung Strecken bis zu 160km zurück. Sie sind ständig in Bewegung: umherziehen, jagen, spielen, die Umgebung erkunden. Ihr Gebiet ist groß, der Ozean birgt viel Abwechslung für diese neugierigen Tiere.

Männchen leben im Durchschnitt 30 Jahre, können aber doppelt so alt werden. Weibchen leben im Durchschnitt 50-60 Jahren. Es gibt aber ein Weibchen, das 100 Jahre alt ist!

Orcas in Delfinarien

Sie leben in kahlen Betonbecken, absolvieren mehrmals täglich die gleiche Show und lernen in Trainingsessions neue Tricks. Als Motivation und Belohnung dient Nahrung. Zwischendurch spielen sie mit ihrem Spielzeug. Manche der Schwertwale, mit denen sie gezwungen sind zu leben, würden sie in der Wildnis niemals treffen.

Letzteres führt unweigerlich zu Konflikten, denn diese Tiere teilen nicht den selben Dialekt oder die selbe Kultur. In der Wildnis haben sie genügend Raum um sich aus dem Weg zu gehen und zu ignorieren - was sie auch tun. Allerdings ist das in Gefangenschaft auf Grund des Platzmangels und der Gittertore nicht der Fall. Einernseits führen diese Kämpfe zu teils tötlichen Verletzungen bei den Tieren (z. B. Attacke von Kandu V gegen Corky 1989) und andernseits knabbern sie wegen ihren Aggressionen an den stählernden Gittertoren, wodurch ihre Zähne abbrechen und aufgebohrt werden müssen - eine sehr unangenehme Prozedur für die Orcas, währenddessen sinken sie zurück ins Wasser, zittern oder flüchten von ihren Trainern. Für den Rest ihres Lebens müssen diese Zähne 2-3 mal täglich gespült werden, damit sich dort keine Essensreste absetzen und Entzündungen verursachen. Dennoch sind diese Löcher wahrscheinlich ein Grund für die kurze Lebensdauer, sie sind für Bakterien, Viren und andere schädliche Sachen ein direkter Weg ins Blut...