Kennst du schon?

A36 Matriline

Mit den A36s hat die Erforschung der Orcas begonnen. Ihre ehemalige Matriarchin Stubbs (A1) war - wie ihre ID bereits verrät - der erste Schwertwal, der eine wissenschaftliche Bezeichnung bekam und katalogisiert wurde. Leider besteht die Matriline heute nur noch aus zwei Männchen, die letzten Nachfahren von Stubbs, und wird mit der Zeit aussterben. Durch die verbliebenen Männchen ist diese Matriline als "die großen Jungs", "the boys" oder "the brothers" bekannt.

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AKTUELLE NEWS

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Ein langer Leidensweg geht zu ende

September 18, 2014

A37_2_cesareb_RIP

Der Tod gehört zum Leben dazu. Doch wenn ein Orca stirbt, sinkt sein Körper für gewöhnlich auf den Meeresgrund und alles, was ein Forscher, Whale Watcher oder Orca-Freund vom Ableben des Tieres mitbekommt, ist dessen Abwesenheit bei der nächsten Sichtung der Matriline. In manchen Fällen wird der Kadaver angespült, sodass durch eine Nekropsie wichtige Daten erlangt werden können, welche wiederum dem Schutz der Population dienen. Allerdings ist es ganz und gar selten ein Individuum auf seinen letzten Weg zu begleiten. Aber genau das passierte bei Plumper (A37), einem der beliebten A36 Brüder.

Jeder, der die A36s kennt, ist vertraut mit ihrer einzigartigen Geschichte, welche mitunter ein Grund für ihre Beliebtheit ist. Die A36s wurden zu Beginn der Studie in 1973 von dem Weibchen Stubbs angeführt. Ihr fehlte die Hälfte ihrer Finne, was ihre Identifizierung bei den Forschern sehr erleichterte. Sie erhielt die ID A1 und war der erste, jemals katalogisierte Schwertwal. Im folgenden Jahr starb sie, doch sie hatte eine Tochter Sophia (A36), die von nun an die Familie anführte.

Nach dem Tod von Stubbs lebte Sophia zusammen mit ihrem jüngeren Bruder Hardy (A20), ihrem Sohn Cracroft (A32) und ihrer kleinen Tochter A44. Diese erreichte leider nur ein Alter von zwei Jahren und verstarb in 1975. Anschließend erhielt die Matriline Zuwachs. In 1977 bekam Sophia ihren zweiten Sohn Plumper (A37) und fünf Jahre später folgte ihr dritter Sohn Kaikash (A46). Die drei Jungs wuchsen prächtig heran und die A36s erlebten gute Jahre. Erst in 1992 hatten sie mit Hardys Ableben wieder einen Todesfall zu beklagen. Ihr letztes Baby gebar Sophia im November 1993. Die kleine Flosse wurde nur wenige Wochen alt und blieb ohne ID. Dieser Verlust war besonders tragisch, denn die Matriarchin befand sich am Ende ihrer fortpflanzungsfähigen Zeit. Da nur ihre Söhne überlebt hatten, bedeutete dies das Aussterben der Matriline. Was mit Sophias Tod in 1997 begann…

Die drei Brüder waren von nun an auf sich allein gestellt. Es ist nicht ungewöhnlich, dass sich eine Familie nach den Tod des Oberhaupts zerstreut, wenn kein ausgewachsenes Weibchen vorhanden ist, das die Verbliebenden zusammenhält. Cracroft, Plumper und Kaikash jedoch zogen weiterhin gemeinsam umher. Als schließlich auch Kaikash ausgewachsen war, waren die A36s anhand ihrer drei riesigen Finnen einfach auszumachen und mutierten schnell zum Publikumsliebling.

Über ein Jahrzehnt gab es nur die drei Brüder – bis sie in 2009 eine Adoptivmutter fanden. Scimitar (A12), ein älteres Weibchen ebenfalls aus dem A1 Pod, verlor in diesem Jahr ihren Sohn Nimpkish (A33). Ihre Tochter Simoom (A34) hatte sich schon lange Zeit zuvor von ihrer Mutter abgekapselt und ihre eigene Familie gegründet. Die weise Matriarchin war allein. Nachdem sie zeitweise wieder von ihrer Tochter begleitet wurde, entstand zwischen Scimitar und den drei Brüdern Ende des Sommers ein starkes Band. Sie blieben auch über den Winter zusammen und kehrten gemeinsam in der nächsten Saison in die Johnstone Strait zurück. Leider ohne Cracroft, der in der Zwischenzeit verstorben war. Scimitar, Plumper und Kaikash bildeten bis zu Scimitars Tod in 2012 eine Einheit.

Anschließend zogen die verbliebenden Brüder wieder ohne Weibchen durch die Gewässer, aber stets zusammen. Im Juni 2014 kehrten sie abermals in das Sommergebiet zurück. Erstmals drangen Berichte über Plumpers schlechten Gesundheitszustand an die Öffentlichkeit. Forscher erfreuten sich über seine Anwesenheit, wenn auch besorgt, weil er einige Kilometer hinter seinem Bruder herhing. Der Besuch war nicht von Dauer. Die Brüder verließen das Gebiet erneut.

Mitte Juli dann der Schock: Kaikash erreichte ohne Plumper das Gebiet. Tagelang kein Lebenszeichen von dem 37-jährigen Männchen, stattdessen Kaikash, der sich zu einem jungen Surf (A66) gesellte. War Plumper tot? Alles sprach dafür: sein hohes Alter, seine schlechte Gesundheit und die lange Trennung von seinem Bruder.

Überraschenderweise trafen Whale Watching Firmen die Brüder vier Tage später zusammen an! Plumper lebte! Im ersten Augenblick verspürten viele Erleichterung, doch im nächsten realisierten sie, dass es ihm nicht gut ging. Augenzeugen berichteten von seinen Schwierigkeiten beim Atmen und einer langsameren Motorik. Fotos zeigten einen Peanuthead sowie eine stark nach links geneigte Finne. Das volle Ausmaß seines Leidens verdeutlichte ein Foto, welches aus der Luft aufgenommen wurde: Plumper war bis auf die Knochen abgemagert.

Alle Hoffnung half nichts. Tag für Tag kämpfte er ums Überleben, aber sein Zustand besserte sich nicht. Zum Schluss kam er kaum noch über die Wasseroberfläche zum Atmen. Am 21. August 2014 schaffte er es nicht mehr gegen die Strömung zu schwimmen. Tagsdarauf sichteten Forscher nur Kaikash, der Rufe von sich gab. Seither wurde Plumper nicht wieder angetroffen. Orcalab beschrieb einen seiner letzten Momente wie folgt:

“Everyone one here was acutely aware of how much more difficult it seemed for A37. After getting half way the current pushed both back to where they began. A37 looked exhausted and by the time he left he was barely coming up to breathe. We all felt the intensity of the moment.”

Etwa einen Monat nach seinem plötzlichen Erscheinen in die Johnstone Strait fand er seinen Frieden. Indem die Natur ihren Lauf nahm, hatte sein Leid ein Ende. Seine Finne wird schmerzlich vermisst in den Gewässern im Norden Vancouver Islands, doch niemals vergessen!

Kaikash suchte nach dem Tod seines älteren Bruders häufig die Gesellschaft anderer Matrilines auf. Oft sah man ihn in der Nähe jüngerer Männchen. Zuletzt wurde er mit den A34s gesichtet. Möglicherweise hat er dort eine neue Heimat gefunden… Zu wünschen wäre es ihm!

RIP, Plumper!

Oben: Plumper, © cesareb

len